Einleitung

Ein Projekt von Robert Lorenz

Porträt von Arnošt Muka. Mittelalter M;ann mit Brille, dunklem Haar und dunklem Bart. Er trägt eine dunkle Jacke und eine Fliege.
Arnošt Muka am Beginn seiner Lehrerkarriere in den frühen 1880er Jahren

Die „Statistika łužiskich Serbow“ (Budyšin/Bautzen, 1886) von Arnošt Muka ist einer der bedeutendsten und wirkungsreichsten Texte der sorbischen wissenschaftlichen Publizistik des 19. Jahrhunderts. Das Werk aus der Feder eines der zentralen Akteure der jungsorbischen Bewegung stellt den Beginn der sorbischsprachigen Soziologie dar, wobei es in der Traditionslinie der älteren Bevölkerungs- und Landesstatistik steht. Gleichzeitig kann es als sorabistischer volkskundlicher Klassiker in der Nachfolge Wilhelm Heinrich Riehls gelten, dem nur aufgrund einer bisher nicht erfolgten Übersetzung ins Deutsche eine wichtige Stellung in der Wissenschaftsgeschichte der Volkskunde im deutschen Raum versagt blieb. 

Muka strebte mit seiner Studie eine umfassende statistische Erfassung und soziologische wie volkskundliche Beschreibung der sorbischen Bevölkerung der Lausitz an der Schwelle zur Industrialisierung an. Sein Buch ist aber auch eine minderheitspolitische Streitschrift sowie ein pädagogisches Traktat zu den Unterlassungen bzw. offenen Behinderungen der sorbischen Sprachweitergabe in Kirche und Schule durch die zeitgenössischen deutschen Behörden. Der 1. Teil des Werkes zur Niederlausitz beruht maßgeblich auf Mukas eigenen Feldforschungen, bei den Teilen 2 und vor allem 3 zur preußischen und sächsischen Oberlausitz war er aufgrund seiner eigenen beruflichen Beanspruchung stark auf Zuarbeiten Dritter angewiesen, was im Buch nicht immer ausreichend transparent gemacht wird.

Kulturtheoretisch reiht sich Muka mit seinem Blick auf die sorbische Kultur in den konservativ-skeptischen Tonfall des volkskundlichen Mainstreams seiner Zeit ein. Sorbisches Leben erscheint ihm auch in Zukunft nur in abgeschlossenen ländlich-bäuerlichen Welten möglich, die von Industrialisierung, Zuwanderung und beruflicher Mobilisierung weitestgehend isoliert sind und in der seelsorgerischen Obhut der Kirche verbleiben. Gegenwelten hierzu sind ihm die „deutsche“ Fabrik und die Großstadt. In seiner Definition sorbischer Identität über das sorbische Sprechvermögen akzeptiert er allerdings prinzipiell auch den „Beitritt“ Außenstehender zu dieser idealisierten und als bedroht beschriebenen ländlich-sorbischen Welt. 

Die Statistik wird hier erstmals in deutscher Sprache präsentiert.

Einleitende Texte:

Zur Konzeption von Arnošt Mukas „Statistika łužiskich Serbow“

„Sorbisches Volk“ und „Sorbische Kultur“ in Arnošt Mukas „Statistika łužiskich Serbow“

Zur Rezeption und Wirkungsgeschichte der „Statistika łužiskich Serbow“ von Arnošt Muka